Wettbewerb Johann-Braun-Straße

Verkehrsbelastung, Hochspannungsleitungen, heterogene Bebauung, reichhaltiger Baumbestand und abschüssiges Terrain prägen den Genius loci. In dieser diffusen Gemengelage zeigen die sieben giebelständig gesetzten Baukörper den Vorbeifahrenden ein unverwechselbares Gesicht, wozu neben der rhythmischen Giebelsequenz auch die geländeabbildende Höhenstaffelung beiträgt. Durch die alternierenden Gebäudelängen und die niedrigeren Verbindungsbaukörper werden auf der abgewandten Seite ruhige Räume gebildet. Sie werden als dreiseitig gefasste Höfe wahrgenommen und dienen den Bewohnern als gemeinschaftliche Übergangsbereiche zu ihren Wohnungen. Auf die bauliche Annäherung an die Stromtrasse wird unter anderem wegen des Baumbestands bewusst verzichtet.

Alle sieben Häuser werden über die Innenhöfe adressiert und erhalten üblicherweise einen Zugang von zwei Seiten, wovon jeweils einer barrierefrei ausgeführt wird. Die großzügigen Eingangsbereiche sind entlang einer Ost-West-Achse orientiert und bieten in angegliederten Räumen ausreichend Fläche für das Abstellen von Kinderwagen. Müllräume werden hofweise zusammengefasst und gut erreichbar platziert. Für die Tiefgarage gibt es lediglich eine Zufahrt an der Rotkreuzstraße mit dem großen Vorteil, dass die Johann-Braun-Straße nicht mit zusätzlichem Anwohnerverkehr belastet wird. Auch für die Realisierung der zwei Bauabschnitte ist diese Anordnung positiv, da zunächst die drei östlichen Häuser gebaut werden und die Garage im zweiten Abschnitt nach Westen erweitert wird.

Die Erschließungshöfe schaffen Orte der täglichen Begegnung, mit kleinen Treffpunkten zum Sitzen, für ruhiges Sandspiel und den nachbarschaftlichen Ratsch. Neben den Fußgängern sind hier lediglich einige Besucherfahrräder vor der Haustür und die Feuerwehr  zugelassen. Vor den Erdgeschosswohnungen puffern blühende Pflanzhecken zwischen Gemeinschaft und privater Freifläche. Die Johann-Braun-Straße erschließt lediglich die vorhandenen gegenüberliegenden Privatgrundstücke und ordnet hier auch einige Besucherstellplätze an. Damit wirken die Höfe räumlich mit Großbäumen in die verkehrsberuhigte Zone hinein und rhythmisieren den Erschließungsraum als ergänzende Bewegungs- und Aufenthaltszone.

Die Bestandsbäume der Grünfläche werden größtenteils erhalten und durch heimische Bäume ergänzt. Zum Karwendelring hin wird der Raum durch einen Lattenzaun für Kinder geschützt. Angebunden über Durchgänge aus allen drei Höfen und mit Durchgang zum Bus wird in den Lichtungen der Bestandsbäume für alle Generationen Kinderspiel, Boule, Bouldern, Fitness und gemeinsames Gärtnern angeboten. Der Gemeinschaftstreff orientiert sich hierher mit seiner Terrasse. Die Grünstreifen entlang der seitlichen Straßen werden zum Erhalt von Bestandsbäumen zum Grundstück hin ausgebildet. Das Niederschlagswasser der Wege wird seitlich in die Grünflächen abgeleitet. Lediglich die Hauptzugangswege und Terrassen werden mit Platten belegt, alle anderen Zonen sind unversiegelt.

Die vier großen Häuser sind kreuzförmig als 4-Spänner organisiert, die drei kleineren Häuser erhalten eine 2-Spänner-Erschließung. Dabei werden die Treppenräume über die Fassade belichtet und belüftet. Alle Wohnungen sind zu mindestens zwei Seiten orientiert und profitieren zum überwiegenden Teil von den ruhigen Innenhöfen. Der geforderte Wohnungsschlüssel wird ziemlich genau eingehalten, jedoch werden auch einige 4-Zimmer-Wohnungen für 5 Personen angeboten, die etwas mehr Fläche erfordern. Ähnlich verhält es sich mit den leichten Flächenüberschreitungen bei den 2-Zimmer-Wohnungen für eine Person und den 3-Zimmer-Wohnungen für zwei Personen. Hier wird Wert darauf gelegt, dass die Wohnungen im Bedarfsfall flexibel mit einer zusätzlichen Person funktionieren.

Die Fassade wird als tragende, einschalige Ziegelwand konstruiert und mit einem langlebigen, kalksteinfarbe-nen Putz in Besenstrich-Struktur versehen. Fassadenöffnungen werden durch helle Umrahmungen aus Feinputz hervorgehoben. Um gleichermaßen Sichtschutz und Ausblick zu ermöglichen erhalten Fenster und Loggien 70 cm hohe Brüstungen. Bestimmende Gestaltungselemente sind die sonnengelben Schiebeklappläden der Fenster und Loggien, die der ansonsten ruhigen Fassaden je nach Öffnungszustand verschiedene Erscheinungen geben. Fensteröffnungen können durch diese Sonnenschutzkonstruktion ohne Sturz ausgebildet werden und erlauben so mehr Lichteinfall von oben. Den oberen Fassadenabschluss bildet eine haltbare Dacheindeckung aus mattgrauem Titanzink.

In den Innenhöfen wird die Schallabschirmung über die 4-geschossige Baustruktur erreicht. Auf den Dachterrassen im 3. Obergeschoss sind nach Süden ausgerichtete raumhohe Glaswände denkbar, die einerseits die Terrassen schützen und andererseits die Abschirmung der Innenhöfe verbessern. Die zum Karwendelring ausgerichteten Wohnungen erhalten in den meisten Fällen eine zusätzliche Lüftungsmöglichkeit über die Innenhöfe oder die als Puffer dienenden Loggien. Ergänzender Schutz erfolgt durch die Schiebklappläden. Feuerwehrfahrzeuge können an der Westseite in die Höfe gelangen. Die Aufstellflächen liegen dort senkrecht zu den Außenwänden, wobei die Dachterrassen im 3. Obergeschoss als gut sichtbare Rettungsplateaus dienen.

Mit der gewählten Konstruktion werden U-Werte erzielt, die das Erreichen des KfW-55-Standards problemlos möglich machen. Darüber hinaus wird empfohlen, auf wartungsintensive und anfällige Haustechnik in Form von Zu- und Abluftanlagen zu verzichten, wo es möglich ist. Eher sollen lang haltbare Materialien mit guter Ökobilanz zum Einsatz kommen, die den Zeitpunkt unvermeidbarer Sanierungsarbeiten weit in die Zukunft verlagern. Auf den mit 45 Grad geneigten Dächern bietet sich ein enormes Potenzial für Ost-West-Photovoltaikanlagen, die möglichst in Kooperation mit einem Ökostrom-Anbieter errichtet werden und den Mieterinnen und Mietern ihren eigenen Strom liefern. Eine rahmenlose und integrierte Lösung wäre mit einer Doppelstehfalzdeckung durchführbar.